Letzten Sommer habe ich den Dokumentarfilm “The True Cost” auf Netflix gesehen und danach monatelang keine Kleidung mehr gekauft. Jedes Kleidungsstück welches ich von den gängigen Fastfashion Ketten in die Hände nahm, erinnerte mich an all die schrecklichen Bedingungen die es gebraucht hat, um nun für 19.90 in meinen Kleiderschrank zu kommen.

 

Auch wenn wir alle irgendwie wissen dass diese Massenproduktion an Kleidung keine gute Sache ist, wir kaufen weiterhin ein und halten diese schrecklichen Zustände am leben. Ich war und bin manchmal immer noch kein Stück besser.
Auch wenn ich mir bewusst war, dass ein Oberteil welches 9.- kostet nichts Gutes bedeuten kann, kaufte ich es trotzdem.

Gründe dazu hatte ich viele, wenn auch nicht bewusst. Ich wollte gut aussehen, hatte das Gefühl dieses und jenes Teil für die Arbeit oder für den nächsten Ausflug zu brauchen oder wollte mir ganz einfach mal wieder was “leisten”.
Es ist ja auch schwierig zu verzichten, vor allem wenn man jeden Tag von Fashionista’s gezeigt bekommt was gerade Trend ist. Und mit “gerade” meine ich alle 24 Stunden was Neues.

Als ich nach dem Film beschlossen habe vorerst keine neue Kleidung mehr zu kaufen, habe ich damit angefangen, mich über die ganze Textilindustrie und Fairfashion zu informieren. Ich muss ehrlich sagen, ich fühlte mich wie ein verlorenes Kind in einem riesigen unbekannten Meer. Ich kam lange überhaupt nicht zurecht und war einige Male kurz davor das Ganze wieder sein zu lassen. Doch das gesehene und erfahrene Vergessen war unmöglich.

 

 

Also fing ich an Secondhand Kleidung zu kaufen oder auf den Flohmarkt zu gehen (ist ja praktisch das gleiche). Dies ging für eine Weile gut, jedoch fiel mir auf dass ich vieles gekauft habe nur weil es das schönste Teil des Ladens oder des Marktes war. So häufte sich mein Kleiderschrank wieder mit Teilen die ich eigentlich nicht brauchte.

Schon vor dem Film habe ich mich oft mit dem Thema Konsum und Minimalismus beschäftigt. Nach dem Film verstärkte sich mein Bedürfnis noch mehr nur noch Dinge zu besitzen die ich wirklich brauche oder die mich wirklich glücklich machen. Beiden Kriterien trafen für meinen Kleiderschrank leider überhaupt nicht zu! Also entschloss ich mich erst wieder neue Kleidung zu kaufen, sobald meine Garderobe nur noch aus Teilen besteht, die ich wirklich brauche oder wirklich liebe.
Dieses Vorhaben dauerte Monate und erst jetzt kann ich behaupten das “Ziel” in etwa erreicht zu haben. Zwar habe ich doch ab und an ein neues Teil gekauft, jedoch mit einem ganz anderen Bewusstsein. Meine Garderobe transformierte sich immer mehr zu einer “Capsule Wardrobe” und ich wusste immer besser welche Teile ich wirklich brauche und welche nicht. Mit den Neukäufen habe ich meistens kaputte oder verwaschene Stücke ersetzt und dies, so gut es ging, mit fair hergestellten Teilen.

 

Ganz unerwartet stellte ich fest, dass das Minimalisieren der Garderobe weitere Vorteile mit sich bringt


WENIGER STRESS

Da ich weniger Kleidung besitze weiss ich viel schneller was ich anziehen will. Morgens oder vor der Party ist es nicht mehr nötig alles aus dem Schrank zu zehren (um dann schlussendlich doch immer das gleiche Teil anzuziehen..) Das spart Zeit und unglaublich viele Nerven!

MEHR ZEIT

Die Wäsche zu waschen beansprucht nun viel weniger Zeit. Früher musste ich manchmal den ganzen Tag zu Hause verbringen da es mehrere Waschgänge gebraucht hatte und alles noch weggeräumt werden musste. Heute reicht meistens ein Waschgang aus und dies lässt sich ganz einfach beispielsweise während dem Kochen machen.

MEHR KONTROLLE

Seit ich meine Garderobe minimalisiert habe, habe ich keine Lust mehr sinnlos oder nach Bauchgefühl shoppen zu gehen. Die ganze Arbeit die es gebraucht hat um eine Capsule Wardrobe hinzubekommen lasse ich mir nicht wieder nehmen! Auch kaufe ich kein Teil mehr welches ich nicht anprobiert habe und nicht 100% passt.

MEHR BEWUSSTSEIN

Da ich nur noch die Teile besitze die ich wirklich brauche und liebe schätze ich meine Garderobenteile viel mehr und behandle sie besser als ich es früher getan hätte. Der Umgang mit meiner Kleidung ist eines der hervorstechenden Veränderungen die ich an mir persönlich bemerkt habe. Dies überträgt sich auch auf andere Besitztümer worüber ich nicht unglücklich bin.

 

 

Fair hergestellte Kleidung kostet oft etwas mehr als gewohnt. Zu Beginn hat mich dies etwas abgeschreckt und ich verstehe auch dass sich viele dies nicht leisten können.
Auch ich habe als Studentin nicht einen Haufen Kohle! Ich muss aber dazu sagen, dass ich persönlich nicht mehr Geld an Kleidung ausgegeben habe seit ich Fastfashion meide. Ich denke dass es sich ausgleicht: Wo ich früher mehr Kleidung für wenig Geld gekauft habe, kaufe ich heute weniger Kleidung für mehr Geld ein.
Es lohnt sich wirklich den 2. Weg zu gehen denn meistens haben diese Textilien eine viel bessere Qualität und du unterstützt damit etwas was heutzutage eigentlich überall herrschen sollte: Faire Arbeitsbedingungen, faire Löhne, Verbannung der Kinderarbeit und vieles mehr. Ausserdem fühlt sich Kleidung mit einem positiven Karma so viel besser an!

 

Inform yourself!


truecostmovie.com

fashionrevolution.org

fair-fashion.net

 

Follow:
Share:

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.